Maria Weber (1919-2002): Streitbare Gewerkschafterin

Bildnachweis: AdsD Friedrich-Ebert-Stiftung

Maria Weber wuchs in einer Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet auf. Großvater und Vater waren christliche Gewerkschafter und arbeiteten unter Tage. Der Großvater hatte den Christlichen Bergarbeiterverband Essen mit ins Leben gerufen. Maria Weber absolvierte eine Schneiderlehre und schloss diese mit der Gesellenprüfung ab. Aus finanziellen Gründen konnte sie ihr eigentliches Berufsziel, Medizin zu studieren und Kinderärztin zu werden, nicht verwirklichen.

Maria Weber wurde stark von einem katholischen Milieu geprägt. Sie engagierte sich in der Katholischen Jugend und leitete Gruppen. Ihre Pfarrgemeinde gehörte zum Bistum Münster, in welchem Bischof Clemens August Graf von Galen wirkte. Im Krieg arbeitete Weber als Telefonistin und Werkstoffprüferin. Sie erfuhr durch ihre Arbeit von der Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge in Buchenwald, die zu Außenstellen in die rüstungsrelevante Produktion ins Ruhrgebiet geschickt wurden.

Nach Kriegsende trat Maria Weber in die IG Chemie-Papier-Keramik ein, da ihr Betrieb Gelsenberg Benzin AG zur Chemieindustrie zählte. In den Jahren von 1945 bis 1947 versah sie unterschiedliche Funktionen im Ortsvorstand, Bezirksrat und im Beirat der IG Chemie in Gelsenkirchen. Im Jahr 1947 trat sie den Sozialausschüssen der CDU bei. Sie wurde Betriebsrätin und besuchte die Akademie der Arbeit in den Jahren 1947/ 48. In der damaligen britischen Besatzungszone engagierte sie sich im „Zonen-Frauenausschuß“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Im Jahr 1950 wechselte sie als Sachbearbeiterin in die Abteilung Frauen beim DGB-Bundesvorstand. Im Jahr 1956 übernahm Weber die Funktion von Thea Harmuths und rückte als Vertreterin der CDA in den Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB auf. Im Zeitraum von 1972 bis 1982 war Maria Weber auch die Stellvertretende Vorsitzende des DGB. Sie setzte sich nicht nur für die Gleichberechtigung der Frauen im Arbeitsleben und in der Gewerkschaft ein, sondern stritt auch für die Positionen der Christlich-Sozialen im DGB. Nicht immer war sie einig mit ihrer Partei, der CDU, so bspw. in der Bildungspolitik. Sie befürwortete früh die Einrichtung von Gesamtschulen. Im DGB wandte sie sich gegen die Fristenlösung im Streit um den Paragraphen 218. Als Katholikin konnte sie diese DGB-Positionen nicht mittragen.

 

Maria Weber starb am 25. Juni 2002.

 

Literaturhinweis:

https://www.gewerkschaftsgeschichte.de/maria-weber-2970.html, Stand 29.07.2018