Heiner Geißler (1930-2017): Die neue soziale Frage

Heiner Geißler kam sowohl mit dem katholischen Glauben als auch mit der Politik früh in Berührung. Sein Elternhaus war katholisch geprägt und sein Vater Mitglied des Zentrums. Geißlers Vater wurde von den Nationalsozialisten aus dem Amt eines Oberregierungsrates entfernt. Nach dem Abitur auf dem Jesuitenkolleg St. Blasien war Geißler zunächst Novize im Jesuitenorden, entschied sich aber dann doch für einen weltlichen Beruf. So studierte er

in München Philosophie und Jura. Im Jahr 1960 erlangte er die juristische Promotion.

Zunächst als Richter in Stuttgart tätig, wechselte er als Leiter des Ministerbüros unter Josef Schüttler ins Sozialministerium. Ab 1965 vertrat er den Wahlkreis Reutlingen im Deutschen Bundestag, wechselte dann aber ab 1967 wiederum in die rheinland-pfälzische Landespolitik als Sozialminister mit bemerkenswerten neuen sozialpolitischen Gesetzen und bundesweiten Initiativen. Mit dem Namen Heiner Geißler verband sich bald der Begriff „der neuen soziale Frage“. Geißler engagierte sich stark in der Familien- und Gesundheitspolitik. So geht auf ihn die Institution des Erziehungsgeldes zurück.

Nach der knappen Wahlniederlage Helmut Kohls und der CDU im Jahr 1976 wurde er zum Nachfolger Kurt Biedenkopfs als Generalsekretär der CDU gewählt. Geißler modernisierte mit Helmut Kohl, Norbert Blüm und anderen die CDU und gab ihr ein Grundsatzprogramm im Jahr 1978. Nach dem Regierungswechsel schulterte er gleichzeitig das Amt des Bundesfamilienministers und das des Generalsekretärs der Partei. Geißler war Motor der Partei und zeichnete sich durch eine scharfe Rhetorik im Umgang mit den politischen Mitbewerbern aus. Vor allem war Geißler Kritiker der politisch Linken und der Friedensbewegung.

Nach seiner nicht erneuten Nominierung als Generalsekretär der CDU gehörte Geißler dem Bundestag an und war Stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Immer wieder wurde er als Schlichter in Tarifkonflikten zu Rate gezogen, so im Baugewerbe, bei der Telekom oder der Deutschen Bahn. Bundesweite Beachtung fand seine Vermittlung beim Großprojekt Stuttgart 21. Das Thema der Bürgerpartizipation im modernen Staat machte er zu seinem Thema. Geißler veröffentlichte zahlreiche Bücher und war im Fernsehen häufiger Gast in Talkrunden.

Er wurde als Querdenker geschätzt, der es der eigenen Partei nicht immer leicht machte.

Heiner Geißler verstarb mit 87 Jahren.

 

„Es gibt auf der Erde Geld wie Dreck. Es haben nur die falschen Leute.“ (Marler Zeitung, 20.03.2017, S. 14).

 

Literaturhinweise:

Heiner Geißler: Was müsste Luther heute sagen?, Berlin 2015

Ders.: Sapera aude! Warum wir eine neue Aufklärung brauchen, Berlin 2.Aufl. 2013