Hans Katzer (1919-1996): Erfinder der Sozialpartnerschaft

Hans Katzer wuchs in einer katholisch geprägten Familie auf, so war sein Vater Karl Verbandssekretär im Katholischen Gesellenverein und Stadtverordneter in Köln für die Zentrumspartei. Katzer absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und war aktiv in der katholischen Jugend. Wie viele seiner Altersgenossen wurde er als Soldat in Russland schwer verwundet und kam nach 1945 in Kriegsgefangenschaft. Als politisch Unbelasteter fand er eine Anstellung beim Kölner Arbeitsamt und stieg zum Abteilungsleiter auf. Im Jahr 1950 wurde er Geschäftsführer der CDU-Arbeitnehmerschaft, der Sozialausschüsse. Nach einer Zeit als Mitglied im Kölner Stadtrat wurde Katzer 1957 in den Bundestag gewählt. Diesem gehörte er bis zum Jahre 1980 an und war Stellvertretender Fraktionsvorsitzender von CDU/ CSU.

Hans Katzer war von 1963 bis 1977 Vorsitzender der CDA. In diesen Jahren prägte er die CDU-Arbeitnehmerschaft programmatisch, wie auch durch seine Person als Sozialpolitiker und überzeugter Einheitsgewerkschafter.

Nach der Bundestagswahl 1965 gehörte er dem Kabinett Erhard als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung an. In der sich anschließenden Großen Koalition verblieb er in diesem Amt. In seiner Amtszeit engagierte er sich erfolgreich für die Verwirklichung der paritätischen Mitbestimmung, der Vermögensbildung für Arbeitnehmer und reformierte die Bundesanstalt für Arbeit zu einer modernen Behörde, die aktive Arbeitsmarktpolitik betreibt. Von 1979 bis 1984 gehörte Katzer dem Europäischen Parlament an und war von 1979 bis 1982 Vizepräsident.

Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen wie das Große Bundesverdienstkreuz oder der Hans-Böckler-Preis würdigten sein politisches und gewerkschaftliches Engagement. Hans Katzer wird heute als „Erfinder der Sozialpartnerschaft“ gewürdigt.

 

Literaturhinweis:

Günter Buchstab: Hans Katzer. Zur Erinnerung an einen rheinischen Sozialpolitiker. In: Historisch-Politische Mitteilungen 5 (1998), S. 167-174