Josef Gockeln (1900-1958): Ein Christlich-Sozialer im Dienste der jungen Demokratie nach 1945

Josef Anton Gockeln wurde am 18. März 1900 in Großeneder im Kreis Warburg geboren. In seinem Heimatort absolvierte Gockeln eine Lehre als Müller. Bereits im 1. Weltkrieg in den Jahren 1917/ 18 wurde er eingezogen und überlebte den Krieg. In den Jahren 1925/ 26 besuchte er die Staatliche Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung in Düsseldorf. Ab dem Jahr 1928 arbeitete Gockeln hauptamtlich als Bezirkssekretär der katholischen Arbeitervereine in Düsseldorf. Seine gewerkschaftliche- und politische Karriere wurde befördert durch sein rhetorisches Talent. So gelangte Gockeln in den Rat der Stadt Düsseldorf für die Zentrumspartei und gehörte dem Parlament von 1929 bis 1933 bis zu seiner Zwangsauflösung an.

Erneut wurde Josef Gockeln zum Militärdienst am Beginn des 2. Weltkrieges eingezogen und blieb Soldat bis Kriegsende. Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im August 1945 beteiligte sich Gockeln unmittelbar am Wiederaufbau der Demokratie nach der menschenverachtenden NS-Herrschaft. So wirkte er entscheidend an der Reorganisation der katholischen Arbeitervereine mit und übernahm wie in der Weimarer Republik das Sekretariat in Düsseldorf. Bereits im Jahr 1946 wurde er zum Verbandsvorsitzenden der KAB in Westdeutschland gewählt. Gockeln entschloss sich zum Eintritt in die CDU und wurde bei der ersten Kommunalwahl wiederum in den Rat der Stadt Düsseldorf gewählt.

Ab 1948 versah er das Amt des CDU-Kreisvorsitzenden in der Landeshauptstadt. Gockeln wirkte an der Entstehung und Verabschiedung des Ahlener Programms von 1947 mit, welches einen christlichen Sozialismus und die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien forderte.

Gockelns Aufstieg in Partei und Politik setzte sich mit seiner Wahl in den Landtag von NRW fort. Im Kabinett des Ministerpräsidenten Amelunxen (1888-1969) wurde er zum Sozialminister berufen. Im Jahr 1947 wählten ihn die Abgeordneten des Düsseldorfer Landtages zu ihrem Präsidenten.

Nur durch sein großes Engagement konnte er verschiedene wichtige politische Ämter in Personalunion übernehmen. Zusätzlich zu seinem Landtagsmandat und seinem Amt als Präsidenten bekleidete Gockeln das Amt des Bürgermeisters in Düsseldorf. Beide Funktionen führt er überparteilich aus. Nach den Landtagswahlen 1954 und 1958 wurde er einstimmig als Präsident wiedergewählt und genoss großes Vertrauen in allen Fraktionen.

Gockeln stand in der Tradition seines christlichen Glaubens und der katholischen Soziallehre. Sein politisches Wirken und insbesondere seine sozialpolitischen Überzeugungen waren nicht ideologisch, sondern pragmatisch auf soziale Verbesserungen für die Menschen angelegt. Gockeln zählt zu den christlich-sozialen Persönlichkeiten, welche aus der Arbeiterschaft in höchste öffentliche Ämter aufstiegen und einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des demokratischen Neubeginns und Wiederaufbaus nach 1945 geleistet haben.

Am Nikolaustag, dem 06. Dezember 1958, kam Josef Gockeln bei einem schweren Autounfall auf einer seiner vielen Dienstreisen zwischen Dormagen und Neuss ums Leben.

 

 

 

Literaturhinweise:

Portal Rheinische Geschichte: www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/joseph-gockeln/DE-2086/lido/57c6c91d872529.52884665, Stand 26.11.2018

Rönneper, Hans/ Bayer, Axel: Karl Arnold und Josef Gockeln: Düsseldorfer Weggefährten und Konkurrenten. In: Der Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Karl Arnold. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident 1947 bis 1956. Düsseldorf 2001, S. 171–181. (Schriften des Landtags Nordrhein-Westfalen Band 13)