Hermann Ehlers (1904-1954): Politik aus evangelischer Verantwortung

Bildnachweis: Evangelischer Arbeitskreis der CDU/CSU

Hermann Ehlers wurde am 1. Oktober 1904 in Berlin geboren. Er wuchs in einem lutherisch geprägten Elternhaus auf. Bei Elternteile stammten aus einem Dorf bei Celle in Niedersachsen.

Ab dem Jahr 1919 kam Ehlers mit Schülerbibelkreisen in Kontakt und als Student der Rechtswissenschaften leitete er Bibelarbeiten mit Jugendlichen in Berlin-Steglitz. Während seines Studiums war er Mitglied des Vereins Deutscher Studenten (VDSt), der sich eher mit der Monarchie identifizierte als mit den demokratischen Neuerungen der Weimarer Republik. Ehlers absolvierte sein Jurastudium erfolgreich und schloss es 1929 mit einer Promotion zu Preußen und seiner Bedeutung im Reich ab. Nach dem Zweiten juristischen Staatsexamen 1930 wurde er Gerichtsassessor und arbeitete in der Berliner Kommunalverwaltung in Steglitz. Schon früh kam er in Kontakt mit der Bekennenden Kirche, was zu einer kurzzeitigen Verhaftung und Entlassung aus dem Staatsdienst führte.

In den Jahren 1939-1945 war Ehlers Soldat. Es sind von ihm Briefe überliefert, in welchen er auf das baldige Ende des Krieges und des NS-Regimes hoffte und dafür betete. Im Jahr 1945 trat Ehlers in den Dienst der Landeskirche Oldenburg ein. Als juristischer Oberkirchenrat seiner Landeskirche nahm er an verschiedenen Tagungen und Kirchenversammlungen teil, an welchen wie in Treysa im Oktober 1945 die Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorbereitet wurde.

Ehlers trat der CDU 1946 bei und war Ratsherr in der Stadt Oldenburg in Niedersachsen. In der CDU setzte sich Ehlers für eine Partei neuen Typs ein, in welcher beide großen Konfessionen gleichberechtigt Politik gestalteten. Innerhalb der CDU gründete er den Evangelischen Arbeitskreis (EAK) im März 1952 in Siegen. Bereits als Student publizistisch tätig, gründet er innerhalb seiner Partei die Zeitschrift „Evangelische Verantwortung“. Rasch stieg er in der Bundespartei zum Stellvertretenden Bundesvorsitzenden mit Jakob Kaiser auf. Ehlers prägte das ökumenische Profil einer neuen Volkspartei CDU.

Über die Ergänzungsliste zog Ehlers in den deutschen Bundestag ein, da er seinen Wahlkreis Oldenburg-Ammerland nicht direkt gewinnen konnte. Als Mann des Ausgleichs wurde Ehlers am 19. Oktober 1950 zum Bundestagspräsidenten gewählt. Ihm gelang es, die Sitzungen souverän zu leiten und dem Parlament in der Bevölkerung eine breite Anerkennung zu verschaffen. Ehlers bemühte sich erfolgreich, die parlamentarischen Debatten in einer sachlichen Atmosphäre zu führen, ohne den Pathos und die Polemik vergangener Zeiten. Ehlers warb für den Parlamentarismus unermüdlich und schonte sich nicht. Er blieb weiterhin kirchlich aktiv und nahm noch kurz vor seinem Tod mit Referaten an Kirchentagen wie in Leipzig teil.

Sein plötzlicher Tod am 29. Oktober 1954 in Oldenburg wurde von allen Parteien bedauert. Sicherlich hätte Ehlers noch eine politische Karriere vor sich gehabt, zumal er als ernsthafter Kandidat für verschiedene Ämter wie das des Bundespräsidenten galt.

 

 

Literaturhinweis:

Weert Börner: Hermann Ehlers (S. 105- 130). In: Christliche Demokraten der ersten Stunde, Konrad Adenauer Stiftung (Hrsg.), Bonn 1966