Josef Kardinal Frings (1887-1978): Für die Menschen bestellt

Bidnachweis: AdsD Friedrich-Ebert-Stiftung

Josef Frings wurde am 6. Februar 1887 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Neuss geboren. Nach Absolvierung der Volksschule und des Gymnasiums in Neuss begann er das Studium der Theologie in Innsbruck am internationalen Theologenkonvikt Canisianum und setzte es in Bonn und Freiburg fort. 1910 folgte nach Empfang der niederen und der Diakonenweihe die Priesterweihe.

An seiner ersten Stelle als Kaplan in Köln-Zollstock zeigte sich bereits, dass ein Interessensschwerpunkt Frings‘ in der christlichen Soziallehre lag. In Zollstock gründete er im Auftrag seines Pfarrers einen Arbeiterverein. Dieses Interesse an Arbeitervereinen und der sozialen Not der Arbeiter blieb seinen Lebtag erhalten.

Nachdem er mit einer neutestamentlichen Arbeit an der Freiburger Fakultät promoviert wurde, folgten weitere Stellen als Seelsorger in Fühlingen, Neuss und Köln-Braunsfeld. 1937 wurde er von Kardinal Schulte zum Regens des Priesterseminars ernannt. 1942 wurde er überraschend vom Kölner Domkapitel zum Kölner Erzbischof gewählt. Am 21. Juni wurde er unter große Anteilnahme der katholischen Bevölkerung zum Bischof geweiht und als Erzbischof von Köln inthronisiert. Er wählte als Wahlspruch einen Vers aus dem Hebräerbrief: Für die Menschen bestellt (5,1). Papst Pius XII. erhob ihn 1946 zum Kardinal.

Frings stand dem nationalsozialistischen Regime ablehnend gegenüber, äußerte sich mehrmals gegen die rassistischen Verfolgungen und bemühte sich auf diplomatischem Weg um politische Gefangene.

Sein Episkopat zeichnet sich durch ein vielfältiges Wirken aus. An dieser Stelle sollen drei Schwerpunkte exemplarisch hervorgehoben werden:

Besonders bekannt ist die Silvesterpredigt, die Frings im Jahr 1946 in St. Engelbert in Köln hielt. Hier führte er in einer Katechese zum Dekalog aus, dass das Nehmen von Dingen, die zur Sicherung des eigenen Lebens und der Gesundheit notwendig sind, in dieser schweren Zeit erlaubt sei. Obwohl er einen Satz später zur Mäßigung aufrief, wurde fast ausschließlich der erste Teil in der Öffentlichkeit verbreitet. Diese Predigt brachte dem Kardinal erhebliche Schwierigkeiten mit den britischen Besatzungsmächten ein, offenbarte aber seine stete Fürsorge für die Nöte der Bevölkerung.

Diese Ausrichtung zeigte er nicht nur auf sein Bistum beschränkt, sondern auch auf die Weltkirche bezogen. So war er treibende Kraft bei der Gründung der Hilfswerke Misereor und Adveniat. Ebenso fällt in sein Episkopat die Begründung der Partnerschaft zwischen den Erzbistümern Köln und Tokio.

Einen großen Einfluss nahm Frings auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Hier engagierte er sich besonders zu den Themen Ekklesiologie, Religionsfreiheit, Mission und der Reformierung des Hl. Offiziums.

Kardinal Frings trat im Februar 1969 als Erzbischof zurück. Er starb am 17.12. 1978 im Alter von 91 Jahren und wurde in der Erzbischöflichen Gruft im Kölner Dom beigesetzt.

 

 

Literaturhinweise:

Frings, Josef, Für die Menschen bestellt. Erinnerungen, Köln 1973

Ruf, Friedhelm, Der rheinische Kardinal. Josef Frings. Seelsorger, Diplomat und Brückenbauer, Köln 2015

Trippen, Norbert, Josef Kardinal Frings (1887-1978) Sein Wirken für das Erzbistum Köln und für die Kirche von Deutschland (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B94) Paderborn 2003

Ders., Josef Kardinal Frings (1887-1978) Sein Wirken für die Weltkirche und seine letzten Bischofsjahre (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B104,) Paderborn 2005