Amalie Sieveking (1794-1859): Ein Leben für den Dienst am Menschen

Amalie Sieveking wurde am 15. Juli 1794 als Tochter des Senators Heinrich Christian Sieveking in Hamburg geboren und genoss eine Erziehung in musischen Fächern, Haushaltsführung und Literatur. Da sie ab ihrem 16. Lebensjahr Vollwaise war, wuchs sie bei verschiedenen Verwandten auf, wo sie mit biblischen Texten, der Aufklärung, aber auch der Erziehung der Kinder des Hauses vertraut gemacht wurde. Eines dieser Kinder adoptierte sie später.

Durch ihren Kontakt mit Johann Hinrich Wichern, Johann Wilhelm Rautenberg und Matthias Claudius, die sie im Hause ihres Vetters Karl traf, wandte sich Sieveking der Erweckungstheologie zu. Schriften des Pietisten August Hermann Francke und des Mystikers Thomas von Kempen führten sie zu einem Bekehrungserlebnis, das sie ihr Leben dem Dienst am Menschen widmen ließ.

Sicherlich auch aus dieser Prägung heraus gründete Sieveking im Jahre 1813 eine „Schule für junge Mädchen“, in der sie ihre Schülerinnen in Religion und allgemeinbildenden Fächern unterrichtete, wobei sie gleichzeitig noch organisatorisch und pädagogisch an einer Freischule für arme Mädchen beteiligt war. Eine ihrer Schülerinnen war die spätere Leiterin des Diakonissenhauses in Kaiserswerth (heute ein Stadtteil von Düsseldorf), Caroline Fliedner.

1831 brach die Cholera aus. In dieser Zeit arbeitete Sieveking unentgeltlich als Schwester im Ericus-Hospital in Hamburg. Diese Erfahrung trug möglicherweise dazu bei, dass sie im nächsten Jahr mit ihrer Gründung des „Weiblichen Vereins für Armen- und Krankenpflege“ den Grundstein für die diakonische Arbeit in Deutschland legte, noch bevor das Diakonissenhaus in Kaiserswerth ins Leben gerufen wurde. In ihrem Verein übernahmen bürgerliche Frauen Besuchs- und Pflegedienste bei sozial schwachen Familien in Hamburg.

1840 gründete Sieveking, unterstützt durch Spenden, das Amalienstift in Hamburg, das älteren Menschen eine Heimat bot, sowie ein Kinderhospital.

Neben ihrer karitativen Tätigkeit verfasste Amalie Sieveking auch einige Schriften, darunter auch eine theologische Abhandlung mit dem Titel „Betrachtungen über einzelne Abschnitte der Heiligen Schrift“ (1822-1826). Insbesondere aber schrieb sie über ihre diakonische Arbeit und bekannte sich zu den sozial benachteiligten Menschen in der Gesellschaft. Dennoch setzte sie sich politisch nicht für eine Ständereform ein.

Amalie Sieveking starb am 1. April 1859 in Hamburg.

 

Literaturhinweis:

Inge Mager: Sieveking, Amalie. In: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 24, Berlin 2010