Hanna-Renate Laurien (1928-2010): „Aus Respekt vor den Menschen“

vorne rechts im Bild
Bildnachweis: Abgeordnetenhaus von Berlin

Hanna Laurien wurde 1928 in Danzig geboren und wuchs in einer bürgerlich-protestantischen Familie auf. Als sehr gute Schülerin übersprang sie eine Schulklasse und studierte nach dem Abitur an der Humboldt Universität zu Berlin. Die Studienfächer Anglistik, Germanistik und Philosophie waren eine gute Grundlage sowohl für das Lehramt, die Politik als auch ihre vielfältigen kirchlichen Aktivitäten. Im Jahr 1952 konvertierte sie vom Protestantismus zum Katholizismus und stand insbesondere den Dominikanern nahe.

Nach ihrem Staatsexamen arbeitete sie als Oberstudiendirektorin in NRW. Als Schulleiterin in Köln schlug sie eine Laufbahn in der Schulverwaltung ein. Zunächst wurde sie Staatssekretärin im Schulministerium in Mainz, später, im Jahr 1976 Kultusministerin von Rheinland-Pfalz. Im Jahr 1981 trat sie in den Minderheitssenat von Richard von Weizsäcker in Berlin ein. Ihr wurde das Ressort für Schule, Jugend und Sport übertragen. Vergeblich kandidierte sie gegen Eberhard Diepgen um das Amt des Berliner Bürgermeisters, als Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten gewählt wurde. In den Jahren von 1991 bis 1995 war Laurien Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses. In diesem Amt erwarb sie sich viel Respekt für ihre souveräne Amtsführung. Sie galt als unerschrockene Streiterin für Demokratie und Bürgerrechte. So wandte sie sich gegen die Aufmärsche von Neonazis am Geburtstag Rudolf Heß‘ und sprach von einem „schamlosen Mythos“. Entschieden richtete sie sich auch gegen Ausländerfeindlichkeit in der Bundeshauptstadt.

Zeit ihres Lebens war sie in der Katholischen Kirche aktiv. Neben ihrer Ortspfarrei gehörte sie von 1967 bis 2004 dem Zentralkomitee Deutscher Katholiken an. Sie unterstützte „donum vitae“ und setzte sich für den Aufbau der Katholischen Akademie in Berlin ein.

Hanna-Renate Laurien erhielt für ihr Wirken verschiedenfache Ehrungen wie den Ehrentitel „Stadtälteste Berlins“. Nach ihr wurde der Vorplatz des Rathauses Lankwitz in Berlin benannt.

 

Literaturhinweise:

Ute-Beatrix Giebel (Hrsg.): Aus Respekt vor den Menschen. Streitbar, politisch, engagiert – Hanna-Renate Laurien, Ostfildern 1998

Trauer in Berlin: CDU-Politikerin Laurien ist tot, www.spiegel.de/politik/deutschland/trauer-in-berlin-cdu-politikerin-laurin-ist-tot-a-683346.htlm, Stand 04.09.2018