Johannes Albers (1890 -1963): Sozialpolitiker aus Leidenschaft

Bildnachweis: Archiv des Landtags NRW

Johannes Albers wurde 1890 in Mönchengladbach im Rheinland geboren. Nachdem er die Volksschule besucht hatte, absolvierte er eine Schriftsetzerlehre und wirkte im Anschluss als Schriftsetzer und Lokalredakteur. Ab 1919 arbeitete er hauptberuflich für die Christliche Gewerkschaft als Sekretär in Köln und war von 1924 bis 1933 Stadtverordneter des Zentrums. Von 1932 bis 1944 wirkte er in verschiedenen Sparten der Sozialversicherung.

Albers engagierte sich neben seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit und seiner Parteiarbeit für den Aufbau der Konsum- und Wohnungsbaugenossenschaften. Bei dieser Aufgabe entwickelte er sein ausgesprochen wirtschaftliches und unternehmerisches Talent. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 bereitete Albers‘ vielfältigen Aktivitäten ein Ende. Im NS-Staat pflegte er aber Kontakte zu Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung und der Katholischen Kirche wie den Dominikanerpatern Siemer und Welty. Insbesondere hielt er aber Kontakt zu Jakob Kaiser und Gegnern des NS-Regimes in Berlin. Nach vielfältigen Verhören durch die Gestapo wurde Albers nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war Johannes Albers Mitbegründer der CDU und erster Vorsitzender in Köln. Ebenfalls war er ein Gründungsmitglied der Sozialausschüsse der CDU und des heutigen Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Albers befürwortete aufgrund der Erfahrungen in der Weimarer Republik eine Einheitsgewerkschaft. Zunächst wieder Stadtverordneter in Köln, wurde Albers von 1946 bis 1950 Landtagsabgeordneter in NRW und gehörte von 1949 bis 1957 dem Deutschen Bundestag an. So war er u.a. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/ CSU und Vorsitzender des Wohnungsbauausschusses im Deutschen Bundestag. Vom Mai 1956 an war er Mitglied des Bundesvorstandes der CDU und seit 1945 Landesvorsitzender der Sozialausschüsse Rheinland. Nach dem plötzlichen Tode von Karl Arnold wurde er im Jahr 1958 Bundesvorsitzender der Sozialausschüsse.

Anlässlich seines 70. Geburtstag 1960 verlieh ihm der Bundespräsident das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland.

Zur Wahl des dritten Deutschen Bundestages kandidierte Albers aus eigenem Entschluss nicht mehr, um Jüngere zum Zuge zu kommen lassen. Als enger Mitarbeiter des bedeutenden Sozialpolitikers der Weimarer Republik, Adam Stegerwald, hatte Albers entscheidenden Anteil an der Konzeption einer modernen Sozialpolitik in christlicher Verantwortung.

Johannes Albers verstarb unerwartet am 08. März 1963 in Köln am Tag seines Geburtstages. Nach ihm sind in Königswinter eine Straße und das Bildungswerk der Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V., Johannes-Albers-Bildungsforum gGmbH, benannt.

 

 

Literaturhinweis:

Winfried Herbers: Johannes Albers. In: Günter Buchstab u.a. (Hg.): Christliche Demokraten gegen Hitler, Freiburg 2004