Julius Kardinal Döpfner (1913-1976): Brückenbauer in einer Zeit des Umbruchs

Julius Döpfner wurde am 28.08.1913 in Bad Kissingen geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einer Familie von Rhönbauern auf. Die Frömmigkeit seiner Eltern in Unterfranken prägte den Heranwachsenden zutiefst. So entschloss er sich nach dem Abitur zum Studium der Katholischen Theologie in Würzburg. Nach nur einem Semester wechselte Döpfner nach Rom, um am Collegium Germanicum der Päpstlichen Universität Gregoriana zu studieren. Für diesen Wechsel des Studienortes hatte er ein Stipendium erhalten. In Rom empfing Julius Döpfner im Jahr 1939 die Priesterweihe. Er wurde mit einer Arbeit zu John Henry Kardinal Newman (1801-1890) 1941 promoviert. Danach schlossen sich Jahre in Franken an, in denen Döpfner Kaplan u.a. in Schweinfurt war. Im Jahr 1944 wurde er zum Subregens (Leiter) des Würzburger Priesterseminars berufen.

Im Jahr 1948 wurde er der jüngste katholische Bischof in Europa zu Würzburg. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war die Stadt stark zerstört. Es herrschte große Wohnungsnot in der Stadt. Deshalb rief Döpfner ein katholisches Wohnungswerk „St. Benno“ ins Leben. Nicht nur die Gründung eines Wohnungswerks brachte Julius Döpfner den Ruf ein, den Menschen ein zugewandter Bischof zu sein. Er galt als volksnahe Persönlichkeit und genoss große Sympathie bei den Gläubigen. Sein Engagement für den Wohnungsbau beschrieb er mit den Worten: „Wohnungsbau ist Dombau, Wohnungsbau ist Seelsorge.“

Bereits in seiner Zeit als Würzburger Bischof zeigte er sich offen für die Ökumene und pflegte Kontakte zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern.

Im Januar 1957 wurde Döpfner als Bischof nach Berlin berufen. In der Phase der sich abzeichnenden Teilung der Stadt und des „kalten Krieges“ setzte er sich für den Zusammenhalt der Menschen in Ost und West ein. Im Jahr 1958 wurde er von Papst Johannes XXIII.zum Kardinal berufen. Das Jahr 1961 sollte Julius Kardinal Döpfner wiederum nach Bayern führen, da er von Berlin zum Erzbischof von München und Freising berufen wurde. Döpfner nahm am 2. Vaticanum teil und zählte zum Reformflügel unter den Bischöfen. So setzte er sich für die Handkommunion beim Abendmahl ein. Neben seinen vielen Aufgaben gehörte der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zu seinen verschiedenen Ämtern, welche er seit 1965 innehatte.

Döpfner galt als persönlich bescheiden, jedoch leidenschaftlich in der Sache und wiederum in der Lage, Brücken zu schlagen. Ihm war es ein großes Anliegen, die auseinanderstrebenden Kräfte innerhalb seiner Kirche zusammenzuführen. In Fragen der Empfängnisverhütung in der Auseinandersetzung zur Enzyklika „Humanae Vitae“ suchte er einen Kompromiss zwischen päpstlichen Vorgaben und Auffassungen der Kirchenmitglieder. Ebenfalls versuchte Döpfner, den Streit um die Unfehlbarkeit des Papstes zwischen dem Vatikan und dem streitbaren Tübinger Theologieprofessor Hans Küng zu entschärfen.

Völlig überraschend verstarb Julius Kardinal Döpfner im Alter von nur 62 Jahren an einem Herzinfarkt am 24.07.1976 in München.

 

„Die Hirten der Kirche brauchen Mut, ein klares Wort zu sprechen, wenn ihr Gewissen es gebietet. Mögen sie auch dort nicht zurückschrecken, wo sie für einen Augenblick nicht verstanden und vielleicht kritisiert werden.“

(Zitiert nach: „Kardinal Döpfner: Er setzte Maßstäbe“, von Norbert Stahl (kna), katholisch.de vom 26.08.2013, Stand 02.01.2019)

 

Literaturhinweise:

 

Karl Lehmann: Brückenbauer in einer Zeit des Übergangs – Julius Kardinal Döpfner zum Gedenken, Würzburg 2013

Portrait auf YouTube: Julius Kardinal Döpfner – Lebenssituationen,

Bischöfliches Ordinariat München (Hrsg.), mk-online, 19.07.2013, Stand 02.01.2019