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Share-Economy – Arbeitsmarktrisiken in der neuen Dienstleistungsgesellschaft

Eva M. Welskop-Deffaa bei Politik am Mittag am 9. Oktober 2015

Globalisierung, Digitalisierung und demographischer Wandel verändern in rasendem Tempo unsere Wirtschaft hin zu einer „neuen Dienstleistungsgesellschaft“.
Eva M. Welskop-Deffaa ist seit 01. Juni 2013 Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und wurde am 22. September 2015 wiedergewählt. Sie ist zuständig für die Bereiche Sozialpolitik, Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, Erwerbslose, Teilhabepolitik und Schwerbehindertenvertretung, Migrantinnen und Migranten.
„Das Thema Arbeit hat vom Grundgedanken schon immer seinen Platz im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter“, so leitete Karsten Matthis, Geschäftsführer der Stiftung Christlich-Soziale Politik, seine Begrüßung zum Thema „Share Economy“ ein. Niemand könne, so Matthis, den Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt im Zuge der digitalen Revolution ausweichen.
Eva M. Welskop-Deffaa betonte zu Beginn ihres Referates aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft das große Gebot der Aktualität und dass über lange Zeit nur das Feld der produzierenden Branche mit Digitalisierung in Verbindung gebracht wurde. Seit jedoch etwa fünf Jahren verbreiten sich digitale Plattformen, die das Ziel haben, Konsumgüter wie Autos, aber auch Wohnungen und Taxifahrten zu teilen. In Deutschland schon sehr bekannt sei beispielsweise die Plattform „foodsharing.de“ mit dem Slogan „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen!“ Die Dienstleistungsbranche hätte erst spät bemerkt, dass diese Plattformen eine Konkurrenz bedeuten können, so Welskop-Deffaa.
Bei einigen Konzepten wird jedoch jenseits regulärer Beschäftigungsverhältnisse, meist zu nicht existenzsichernden Löhnen und ohne soziale Absicherung gearbeitet. Für die Dienstleistungsarbeit 4.0 müssen Spielregeln des Arbeits- und Sozialrechts neu buchstabiert werden.
Mit Zahlen aus einer Studie der Lüneburger Leuphana-Universität aus dem Jahr 2013 wurde die weite Verbreitung von Share-Plattformen deutlich: 55 Prozent der Bevölkerung haben bereits Share-Erfahrung, also beispielsweise ein Auto über Carsharing genutzt. Sharing-Plattformen hätten vor allem für sogenannte Postmaterialisten einen großen Reiz, da sie dem großen Drang zur Freiheitsliebe entsprechen. Eigentum würde mehr Pflichten nach sich ziehen.
In der anschließenden Diskussion wurde geäußert, dass bei der Verbreitung der Share-Angebote dringend auf die Versorgungssicherheit des Internets und den konsequenten Ausbau der Breitband-Versorgung auch in ländlichen Gebieten geachtet werden müsse. Außerdem klingt nach, dass das Feld der beruflichen Bildung einen großen Beitrag zum digitalen Wandel leisten muss.
Antonia Huybrechts
Bildungsreferentin der Stiftung CSP

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