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Kunst und Kultur in der ehemaligen DDR: Was ist sozialistischer Realismus?

Seminar vom 30.06.-02.07.2014 auf Schloss Ettersburg/Weimar

Erstmalig beschäftigte sich ein Seminar der Stiftung CSP mit dem Thema „DDR und Kultur“. Das Seminar vom 30.06.-02.07.2014 fand auf Schloss Ettersburg bei Weimar statt und gab dem Seminar einen ausgezeichneten Rahmen.
Einleitend referierte der frühere Referatsleiter im Thüringischen Kultusministerium Dr. Karl-Heinz Hänel über die Kulturpolitik der SED. Die sozialistische Einheitspartei (SED) sah die DDR als Kulturstaat an. Der Kulturbund als Massenorganisation organisierte rund 18.000 Bibliotheken, 56.000 Kulturhäuser und rund 180 Musikschulen in der ehemaligen DDR. Vom Selbstverständnis wollte die DDR ein Staat der Jugend und der Kinder, der Arbeiter und Bauern und der Kunst und Wissenschaft sein. Kunstveranstaltungen mit rd. 4,1 Mio. Besuchern von 1948 – 1988 sollten das sozialistische Verständnis von Kunst und Kultur in der DDR fördern.
Dr. Hänel ging auf die frühe Zeit der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) zurück und verdeutlichte wie die russischen Besatzer recht rasch Kinos und Theater wieder öffneten. Auch Konzerthallen wurden wieder eingerichtet. Von Anfang an stand aber fest, dass ein sowjetisches Verständnis von Kunst und Kultur eingeführt werden sollte. Maler, Literaten, Musiker und andere Kulturschaffenden sollten sich für die Sache des Sozialismus stark machen und den Staat kräftigen. Unter dem Stichwort „Sowjetischer Realismus“ bestimmte die SED was Kunst und Kultur in der ehemaligen DDR ausmachen sollte. Hierbei galt als Kriterium die Volkstümlichkeit als wesentliches Gebot. Die bildende Kunst sollte Arbeitern und Bauern bei ihrer Arbeit darstellen und ihre heroischen Leistungen würdigen. Die Kunst sollte einen Stolz auf die Aufbauleistung der DDR reflektieren und parteilich für den Sozialismus sein. Der Künstler hat für den Menschen und für den Staat da zu sein, so verstand die SED künstlerisches Schaffen.
Anhand der Literaten Reiner Kunze und Uwe Tellkamp stellte Karsten Matthis dar, wie Literaten mit dem DDR-System in Konflikt kamen. Reiner Kunze wurde für seine Prosa „Die wunderbaren Jahre“ aus der SED ausgeschlossen und später zur Ausreise gezwungen. Im Westen wurden vor allem die Gedichte von Reiner Kunze populär. Seine „wunderbaren Jahre“ wurden Anfang der 80er Jahre verfilmt.
Uwe Tellkamp geriet mit dem Staat in einen Konflikt, als er als NVA-Soldat kurz vor dem Zusammenbruch der DDR den Gehorsam verweigerte und nicht mit seiner Einheit gegen friedliche Proteste aufmarschieren wollte. Uwe Tellkamp, der Autor des Beststellers „Der Turm“ hatte sich zum Militärdienst in der NVA verpflichtet, um später einmal Medizin studieren zu können. Nach der Wende studierte Uwe Tellkamp Medizin und ist nunmehr aber ausschließlich als Schriftsteller tätigt.
Anhand einer Stadtführung und eines Museumsbesuches im Stadtmuseum, jeweils verantwortet von Hans-Peter Scheller und Dr. Alf Rösner konnten sich die Teilnehmenden des Seminars über Kunst und Kultur in der thüringischen Stadt Weimar informieren. Neben nationalsozialistischer Baukunst, wie dem Gauforum, findet sich auch das Ernst-Thälmann-Denkmal in der Nähe des Weimarer Bahnhofs. Neben Weimarer Klassik zu Zeiten Schillers und Goethes, finden sich auch deutliche Hinweis auf die Architektur des Bauhauses in der Universitätsstadt.
In der letzten Einheit zeichnete Thomas Schulz vom Thüringischen Innenministerium auf, wie der Stasi auch die Kulturszene der DDR infiltrierte. Neben Kirche war der Bereich Kultur Haupteinsatzbereich des Staatssicherheitsdienstes. Von Kulturschaffenden wurde Widerspruch und Widerstand erwartet, der durch die Stasi bereits im Keim erstickt werden sollte. Kritische Künstler wurden beobachtet und bespitzelt und je nach Bekanntheitsgrad mit Schreibverbot belegt, inhaftiert oder ausgewiesen. Innerhalb der Kulturszene fanden sich aber ebenfalls auch inoffizielle Mitarbeiter für den Staatssicherheitsdienst, die über vermeintliche regimefeindliche Künstler Auskunft gaben und berichteten.
Dennoch gab es in der ehemaligen DDR trotz Einmischung und Bevormundung des Staates ein kulturelles Leben mit weltweit bekannten Künstlern und Literaten wie z. B. der Dirigent Kurt Masur oder verschiedene Schriftsteller wie Christa Wolf oder Stefan Heym. Diese wenigen Namen stehen für viele andere Künstlerinnen und Künstler, die in der Zeit der DDR kreativ tätig waren und den Alltag in der DDR ein wenig menschlicher machten.
Karsten Matthis
Geschäftsführer der Stiftung CSP

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