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Banken- und Finanzsystem in Deutschland und Europa transparent gemacht

Bericht zum Seminar „Bankenmacht“ - Europäische und deutsche Banken, 10. -14. März 2014, im AZK dem Bildungs- und Tagungshaus der Stiftung CSP

Die 25 Teilnehmer des Wochenseminars hatten die Möglichkeit, sich kritisch mit dem Banken- und Finanzsystem auseinander zu setzen. Interessierte Seminarteilnehmer trafen auf kompetente und engagierte Referenten. Neben den Banken Commerzbank und Volksbank bestritten Referenten aus Bundesbehörden und der Frankfurter Börse das Seminar.
Den Auftakt machte Dr. Carl-Christoph Hedrich von der Commerzbank AG (Frankfurt), der darlegte, dass Banken ihr Geld nicht mit Spekulationen, sondern mit Geschäften mit der mittelständischen Wirtschaft und Privatkunden verdienen. Herr Wilhelm Wester, Pressesprecher der Volksbank Bonn, legte das Geschäftsmodell der genossenschaftlichen Banken in Deutschland dar. Insbesondere hob er die Mitgliedschaften in den eingetragenen Genossenschaften hervor. Diese Mitgliedschaften bürgen für vernünftiges und solides Wirtschaften. Die Volks- und Raiffeisenbanken konzentrieren sich vor allem auf ihr regionales Umfeld, währen die Privatbanken, wie Deutsche Bank und Commerzbank, auch internationale Geschäfte tätigen.
Professor em. Dr. Martin Seidel von der Universität Bonn warf die Frage auf, ob der europäische Integrationsprozess, den die europäische Union gestalten soll, besser ohne einheitliche Währung als mit dieser gewährleistet wäre. Die Teilnehmer diskutierten kontrovers mit dem EURO-Experten und arbeiteten die Vor- und Nachteil der Währungsunion heraus.
Sicherlich ein Highlight des Seminars war die Exkursion in die Finanz- und Bankenmetropole per Reisebus nach Frankfurt/ Main. Neben dem Geldmuseum wurden die Teilnehmer durch die Börse geführt und bekamen einen nachhaltigen Eindruck über die Veränderungen des Börsengeschäfts. Schon lange ist der Parketthandel nur noch Geschichte. Die Frankfurter Börse zählt zu den größten der Welt.
Der Referent der Deutschen Bundesbank, Ralf Zimmermann, wiederum informierte über die Aufgaben der Bundesbank in Abgrenzung zur Europäischen Zentralbank. Die Bundesbank ist eine bundesunmittelbare juristische Person des öffentlichen Rechts und gehört zur mittelbaren öffentlichen Verwaltung. Sie agiert als unabhängige Zentralbank.  Zimmermann schilderte die Kooperationen mit den Landesbanken der Bundesländer. Spezialfragen wie die nach wie vor bestehende Möglichkeit die „alte DM“ umzutauschen, griff der Referent ebenfalls auf.
Als zweites Exkursionsziel des Seminars besuchte die Gruppe das Bundeskartellamt in Bonn und wurde in die verschiedenen Aufgaben dieser Behörde eingeführt. Das Bundeskartellamt ist eine Wettbewerbsbehörde und ist dem BMWi zugeordnet. Sie schützt den Wettbewerb und wacht u.a. über illegale Preisabsprachen und kontrolliert Fusionen von großen Unternehmungen, die zu Monopolen führen könnten.
Abgerundet wurde das Seminar durch Arbeitsgruppen am letzten Seminartag, in denen das Seminar mit seinen unterschiedlichen Fragestellungen zusammengefasst wurde. Der pädagogische Leiter der Stiftung CSP, Karsten Matthis, hatte einen Fragebogen entworfen und Wissens- und Meinungsfragen zusammengetragen, um eine abschließende Diskussion über die Macht der Banken in Deutschland und in der EU anzuregen.
Zu den einzelnen Fragen ergab sich in der Seminargruppe folgendes Meinungsbild:
Die augenblickliche Landschaft von öffentlich-rechtlichen Banken und der Privatbanken in Deutschland sollte erhalten bleiben (z. Zt. etwa insgesamt 2.121 Kreditinstitute). Bei der Filialdichte liegt Deutschland mit 2.155 eher im Mittelfeld bei der Anzahl der Einwohner pro Zweigstelle (Quelle: European Banking Federation). Öffentlich-rechtlichen Sparkassen und genossenschaftliche Banken haben beide ihre Berechtigung in der bundesdeutschen Finanzwelt. Schlagkräftige Privatbanken sind im internationalen Vergleich von großer Wichtigkeit für den Industrie- und Technologiestandort Deutschland.
Allerdings sollte das Bafin und andere Aufsichtsorgane gestärkt werden, um sowohl die Privatkunden als auch die Geschäftskunden zu schützen. Insgesamt wurde die Vielfalt der Banken- und Kreditinstitute als vorteilhaft für die Verbraucher bewertet.
Befürwortet wurde die Aussage, dass das Sparen volkswirtschaftlich Sinn macht, da u.a. Banken Eigenkapital benötigen.
Die Zeit für „kleine Sparer“ wurde allgemein als schlecht bewertet, da die Zinssätze auf einem historischen Tief angekommen sind. Sparbücher und Lebensversicherungen machten z. Zt. als Sparanlagen keinen großen Sinn. Die sogenannte Riesterrente wurde kritisch bewertet, die insbesondere Kleinverdienern nichts nütze. Viele bedeutender seien hingegen Betriebsrenten.
Der EURO wurde insgesamt für den Verbraucher und die Wirtschaft als vorteilhaft angesehen, so lange sich alle Beteiligten an die ausgemachten Spielregeln („Stabilitätskriterien“) halten. Die EZB benötigt wie die Deutsche Bundesbank eine größere Unabhängigkeit.
Skeptisch äußerten sich die Seminarteilnehmer über die Einführung einer Vermögenssteuer oder einer sogenannten „Reichensteuer“, die zu einer verstärkten Kapitalflucht führen könnte. Fragen der Steuergerechtigkeit müsse über die Lohn- und Einkommenssteuer geklärt werden. Eine Doppelbesteuerung hielt die Mehrheit in der Gruppe für problematisch. Nachgedacht werden müsse vielmehr über den Spitzensteuersatz und seine Höhe in Deutschland.
Die Gruppe plädierte für eine Transaktionssteuer, die aber nur weltweit einen Sinn mache. Der sogenannte Hochfrequenzhandel  müsse beschränkt werden, weil es hier um zu ungehemmten  Spekulationsgeschäften  großen Ausmaßes gekommen ist.
Begleitet wurde die Gruppe über die Woche in Königswinter von Stefan Hoffmann, Dipl. Theol., als Teamer, Ada Pajonk, Bildungsreferentin und Karsten Matthis.
Wichtige und interessante Internetadressen zum Seminar: www.bundesbank.de www.bundeskartellamt.de www.boerse-frankfurt.de Im kommenden Jahr wird erneut aufgrund der großen Nachfrage ein Seminar zur Finanzwelt angeboten. Bitte verfolgen Sie unsere Bildungsangebote unter www.azk.de.
Karsten Matthis
Geschäftsführer der Stiftung CSP

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