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„60 na und ….“ – Professor Dr. Georg Rudinger (Bonn) zu Bildern des Alterns in Deutschland

Politik am Mittag zur Gesellschaftspolitik

Klischees über das Alter und alte Menschen wurden schon zu Zeiten der Gebrüder Grimm bedient. Das kurze Märchen „Der alte Großvater und der Enkel“ vorgelesen von Karsten Matthis weist eine Fülle von Bildern des Alterns auf. Altersbilder sind nach Professor Dr. Georg Rudinger individuelle und gesellschaftliche Vorstellungen, vom Altern oder von älteren Menschen als soziale Gruppe. Im 6. Altenbericht der Bundesregierung, erstellt vom Familienministerium unter der Federführung von Professor Dr. Andreas Kruse (Heidelberg), wurden zahlreiche Bilder vom Alter in der bundesdeutschen Gesellschaft analysiert. Seit 1993 legt die Bundesregierung Altenberichte vor, die altersspezifische Themen behandeln wie „Wohnen im Alter“ (Altenbericht 1998).
Viele Altersbilder sind falsch, wie das Bild vom kranken und pflegebedürftigen  Senior. 90 % der der 60-80jährigen sind nicht pflegebedürftig und stattdessen mobil. 62% der 86 bis 90jährigen ebenfalls nicht auf die Hilfe dritter angewiesen. Die Werbung in die Medien bedient hingegen Vorteile zum einen positiv wie der weise Alte, oder negativ wie die vergessliche Seniorin.
Mit wachsendem  Alter werden die Unterschiede immer größer, die Menschen immer verschiedener. So zeigen auch Studien, dass ein großer Teil älterer Menschen durchaus noch dazu lernen kann. Viele Seniorenstudenten an deutschen Hochschulen beweisen dies.
Alternsforscher möchten generell Menschen im dritten Lebensabschnitt zum Engagement motivieren. Dafür muss aber die Gesellschaft ihnen die tatsächliche Chance geben, mitzuwirken, mitzugestalten und mitzubestimmen. Rudinger plädierte dafür, ältere Arbeitnehmer nicht aus dem Arbeitsleben heraus zu drängen, sondern ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu nutzen. Der Industrie- und Technologiestandort Deutschland kann nicht auf das Potential Älterer, allein schon angesichts der demografischen Entwicklung, verzichten. Er begrüßte, dass sich der DGB sich diesem Thema angenommen hat. So sollten demografische Faktoren in Tarifverträgen berücksichtigt werden.
Fragen älterer Menschen sind kein Randkapitel der Politik, sondern ein wichtiges Thema der Gesellschaftspolitik. Der 6. Altenbericht hat deshalb Altersbilder in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen untersucht. Diese zeigen wiederum die Auswirkung auf die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben auf.
Eine moderne Altenpolitik soll älteren Menschen ein selbst- und mitverantwortliches Leben ermöglichen und Teilhabechancen in allen gesellschaftlichen Bereichen eröffnen. Dies trifft beispielsweise auch auf die Bereiche Raumplanung, Infrastruktur und Verkehrspolitik zu. Gemeinsam mit vielen Teilnehmern im Plenum sprach sich Professor Rudinger gegen eine generelle Führerscheinüberprüfung von Senioren aus. Eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit soll nur anlassbezogen sein und keine diskriminierende Altersgrenze mit automatischem Führerscheinentzug gesetzt werden.
In einer lebendigen Diskussion erhielt der Bonner Wissenschaftler breite Zustimmung der 60 Teilnehmenden aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.
Karsten Matthis
Geschäftsführer der Stiftung CSP

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