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Sport bietet Chance zur Integration

„Sport hat eine starke integrative Kraft“ mit diesem Worten begrüßte der Präsident des Landessportverbandes für das Saarland Gerd Meyer die Teilnehmer einer Fachtagung unter dem Titel „Integration und Ehrenamt im Sportverein“. Die Fachtagung fand in der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken am 07. November satt. Die Veranstaltung mit Experten aus dem Bereich Integration, Sport und Politik wurde moderiert vom Sportchef des Saarländischen Rundfunks Roman Bonnaire. 
In einem Grußwort wies der Vorsitzende der Stiftung Christlich-Soziale Politik e. V. Minister a. D. Werner Schreiber darauf hin, dass vor gut 50 Jahren das Abkommen mit der Türkei in Kraft getreten ist, Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen. Mittlerweile leben 3 Mio. Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Nur wer integriert ist, hat eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Der Sport kann dabei helfen, insbesondere die Mannschaftssportarten bieten eine Chance zur Integration.  
Der Unternehmensberater Jürgen Schlicher, Duisburg, erinnerte daran, dass die Hälfte des Kaders zur Fußballweltmeisterschaft 2010 einen Migrationshintergrund hatte. Zurzeit liegt der Ausländeranteil in Deutschland bei rd. 8,7 Prozent. Ein weiterer Anstieg ist in den letzten drei Jahren nicht zu verzeichnen. Schlicher prognostizierte den Sportvereinen einen Mitgliederschwund, den sie nur ausgleichen könnten, wenn sie Migranten und Zuwanderer stärker in ihre Vereine aufnehmen. Beispielsweise haben 34 Prozent der Kinder in Deutschland unter 5 Lebensjahren einen Migrationshintergrund. Schlicher machte darauf aufmerksam, dass Vielfalt viele Chancen bietet und für mehr Kreativität sorgt. Er wies auf das Manko hin, dass Funktionsträgerinnen und Funktionsträger in Sportvereinen in der Regel keinen Migrationshintergrund haben. Dieses sei jedoch wichtig, um mehr Mitglieder unter Zuwanderern zu gewinnen. Nach vorsichtigen Schätzungen sind etwa 10 Prozent der Ausländer in Deutschland Mitglieder in Sportvereinen. 
Mit Spannung wurde der Vortrag der Integrationsbeauftragten des Deutschen Fußballbundes (DFB) Gül Keskinler erwartet. Sie hatte ihren Vortrag unter das Motto gestellt „Integration fängt bei mir an“ und schilderte zunächst ihre eigene Biografie in Westdeutschland. Sie war mit ihrer Familie 1970 eingewandert und hatte einen sportbegeisterten Hintergrund. Mittlerweile ist sie selbständige Betriebswirtin und berät Unternehmen, Sportvereine und Kommunen. Die besten Instrumente der Integration sind nach Keskinler Sport und Arbeit. Als Integrationsbeauftragte des DFB versucht sie, durch verschiedene Projekte die Integration in den Fußballvereinen zu verbessern. Sie wirbt insbesondere für mehr Sensibilität mit dem Umgang ausländischer Kinder, vor allem Mädchen. Diese Integrationsbemühungen fangen bei verschiedenen gemeinsamen Regeln im Verein oder Rücksichtnahme bei gemeinsamen Essen statt. Sie bestätigte die These von Jürgen Schlicher, dass auf der Funktionärsebene kaum Migranten tätig sind. Dies steht im Wiederspruch dazu, dass insbesondere verschiedene Fußballspieler wie Özil, Aogo, Boateng oder Khedira bereits die Nationalmannschaft erreicht haben. Sie berichtete über die Schiedsrichterin Sinem Turac, die auf einem guten Weg sei, demnächst Schiedsrichterin der 2. Bundesliga der Männer zu sein. Für sie ist Integrationsarbeit Bildungsarbeit und eine gemeinsame Anstrengung aller. Sie verwies u. a. auf den Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes, der sich an Vereine, Schulen und Initiativen richtet. Schirmherr dieses Preises ist Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Nationalmannschaft.  
Der Integrationsbeauftragte des Saarländischen Fußballverbandes, Adrian Zöhler, gleichzeitig Vizepräsident seines Verbandes, wies auf die hohe Zahl aktiver Ehrenamtlicher hin. In Deutschland gebe es 23 Mio. ehrenamtlich Tätige, davon allein 8,8 Mio. Freiwillige im Sport. Ehrenamtler investierten rund 20 Stunden im Monat für ihre Tätigkeit. Dies entspräche einer Wertschöpfung von 6,7 Mrd. Euro pro Jahr. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist die Zahl der Mannschaften Deutschlandweit rückläufig. Im Saarland sind rd. 18 Prozent Migranten in Sportvereinen Mitglied. Davon sind 2 Prozent Funktionäre. Zöhler stellte das Projekt Golden Goal vor. Diese Initiative, Migrantenkinder für den Fußballsport zu gewinnen, steht unter der Schirmherrschaft von Nina Künzer, ehemalige Fußballnationalspielerin.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion betonte der ehemalige ARD-Sportjournalist Werner Zimmer, Stellv. Vorsitzender des Saarländischen Sportverbandes, dass bereits viel erreicht worden sei und verwies u. a. auf die Ehrenamtsinitiative im Saarland, welche der Integration gedient hat. Integration sei im Spitzensport überhaupt gar kein Problem. Eher stellen sich Fragen im Breitensport.  
Die Veranstaltung wurde von den beiden Stiftungen Christlich-Soziale Politik e. V. (Königswinter) und der Unions-Stiftung (Saarbrücken) getragen. Der Vorsitzende der Unions-Stiftung, Prof. Rudolf Warnking, dankte allen Beteiligten und insbesondere der Sporthochschule für das Gastrecht und den Kooperationspartnern, das Landesinstitut für Präventives Handeln, dem Landessportverband für das Saarland sowie dem Saarländischen Fußballverband. Die Thematik lohne sich in Veranstaltungen und Seminaren fortzusetzen. Denn das Thema der Integration bleibt eine der gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Zukunft.

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