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Prekäre Beschäftigung bezahlen alle Steuerzahler

Ver.di Vorstandsmitglied Dagmar König bei der Stiftung CSP

Eine weitere prominente und kompetente Gesprächspartnerin konnte Karsten Matthis mit Dagmar König aus Berlin in der Reihe "Politik am Mittag" am 15. Juni im AZK begrüßen. Dagmar König, ebenfalls Stellvertretende Bundesvorsitzende der CDA, referierte zur Problematik der prekären Beschäftigungsverhältnisse.  Die Referentin ist bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zuständig für das Ressort 5: Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.
Dagmar verwies zunächst auf eine sehr hohe Beschäftigungsquote von 44, 5 Mio. hin. Dies ist ein beachtlicher Rekord in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Davon besäßen 32,7 Mio. ein sozialpflichtiges Arbeitsverhältnis. Jedoch rd. 12 Mio. Menschen hätten ein unsicheres Arbeitsverhältnis, weil sie u.a. befristet oder nur auf EUR 450.- beschäftigt seien. Zeichnete sich früher das Berufsleben durch konstante Erwerbsverläufe aus, welche eine starke Sicherheit und Planbarkeit des Lebens vermittelten, so sind heute häufige Berufswechsel oder unterbrochene Erwerbsbiografien aus verschiedenen Gründen an der Tagesordnung. So fehlt es heutzutage vielen Arbeitnehmer/innen mit befristeter Beschäftigung an sozialer Sicherheit, um eine Familie zu gründen oder eine Immobilie zu erwerben.
Zunächst klärte Dagmar König aus gewerkschaftlicher Sicht, was unter prekärer Beschäftigung zu verstehen ist. Die DGB-Gewerkschaften verstehen darunter Leiharbeit, Zeitarbeit, Minijobs, befristete Arbeit (ohne Sachgrund) oder Solo-Selbstständige. Arbeitnehmer/innen in diesen unsicheren Jobs werden die Nachteile spätestens beim Eintritt in die Rente zu spüren bekommen. Nicht nur ver.di spricht sich daher dafür aus, dass alle Beschäftigungsformen sozialversicherungspflichtig sind.
Dagmar König plädierte für sozialversicherungspflichtige Jobs, welche auch die deutschen Steuer- und Sozialkassen füllen. Für prekäre Beschäftigung und schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse müssen am Ende die Allgemeinheit und damit die  Steuerzahler/innen bezahlen. Transferleistungen wie Wohngeld oder andere Leistungen der klassischen Sozialhilfe bringe schließlich die Allgemeinheit auf.
In einer regen Diskussion kritisieren die Teilnehmer/innen in der Runde den Öffentlichen Dienst für viele Befristungen bspw. unter Lehrkräften an Allgemeinbildenden Schulen oder im Wissenschaftsbetrieb. Einhellig begrüßt wurden im Plenum die Vorhaben der neuen Bundesregierung, u. a. die Langzeitarbeitslosigkeit anzupacken.
Dagmar König erhielt viel Beifall für ihre sachlichen und differenzierten Ausführungen.
Sie versprach auch künftig als Referentin für Arbeitsmarktfragen im AZK im Johannes-Albers-Bildungsforum zur Verfügung zu stehen.
Karsten Matthis
Geschäftsführer der Stiftung CSP

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