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Eine starke Stimme aus Bayern – Prof. Dr. Hans Zehetmair zu Gast bei der Stiftung CSP

In seiner Einführung nannte der Stiftungsvorsitzende, Minister a.D. Werner Schreiber, die Themen Kultur – Bildung –Werte unterschätzte Themen in der aktuellen Politik. Sie sind aber für die Gesellschaft extrem notwendig, um ein gutes Zusammenleben zu garantieren und sind die Grundlagen für Wohlstand und Arbeit.
Der bayerische Referent, Professor Dr. Hans Zehetmair, der auch Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung in Bayern ist, und in den Jahren von 1993 bis 1998 stellvertretender Ministerpräsident des Freistaates Bayern war, bedankte sich zunächst sehr herzlich für die Einladung. Vor allem liegt dem ehemaligen bayerischen Kultusminister eine wertorientierte Bildungspolitik für morgen am Herzen. Er verwies zunächst auf das Grundgesetz, welches Antwort auf eine barbarische Zeit war. In der NS-Phase wurde die Freiheit von Bildung, Kultur und Wissenschaft mit den Füßen getreten. Artikel 5 des Grundgesetzes sieht ausdrücklich keinen Kulturzentralismus vor. Zehetmair trat für ein erhaltendes Wertgerüst in einer freiheitlichen Gesellschaft ein. Es ist entscheidend, Menschen ein Angebot zu unterbreiten: Die grundlegende Werte Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und soziale Grundordnung zu vermitteln. In Bayern wird besonders Wert darauf gelegt, dass das Wissen um die heimatliche Geschichte den Menschen prägt. „Zukunft braucht Herkunft“, so Professor Zehetmair. Ihm ist aber ebenfalls der kulturelle Austausch mit Migranten in Deutschland und den europäischen Anrainerstaaten von besonderer Wichtigkeit.
Zehetmair beobachtet seit Jahren nicht nur in Bayern eine Rückbesinnung auf Traditionen und Brauchtum. Daher ist es wichtig, dass Schulen im Rahmen der politischen Bildung den Begriff „Heimat“ vermitteln. Der Slogan des bayerischen Kultusministeriums Ende der 80er Jahre „Heimat bewusst erleben“ war ein Erfolg. Alle Generationen beteiligten sich an diesem Dialog, insbesondere von der jüngeren Generation wurde ein neues Gefühl für Umwelt und Natur entwickelt.
Professor Dr. Zehetmair blickte auf seine Zeit als Bayerischer Kultusminister zurück, die immerhin 17 Jahre umfasste. Er ist und bleibt ein Vertreter des gegliederten Schulsystems, jedoch nicht unbedingt des dreigliedrigen.
Ihm ist und war es wichtig, die Familienhäuser nicht aus der Verantwortung bei Erziehung und Bildung zu entlassen. Mit Sorge beobachtet er sprunghafte Veränderungen der Lehrpläne, die stets Unsicherheit schaffen. Die Krankheit der augenblicklichen Bildungspolitik ist oft ein blinder Aktivismus nach der Pisa-Studie. Die sogenannte Pisa-Studie, so der Referent, bringt keine umfassenden Rückschlüsse zu Tage. Nach seiner Ansicht und Einschätzung ist ein dynamisches Schulsystem notwendig, aber keine Einheitsschule. Neben einem Spezialwissen bspw. in den naturwissenschaftlichen Fächern muss vor allem ein breites Allgemeinwissen vermittelt werden. Neue Medien sind wichtig und nicht generell negativ. Ein vernünftiger Umgang mit ihnen muss eingeübt werden. Diese sind aber nur Instrumente und nicht an sich schon Bildung.
Bildung ist nach Ansicht von Prof. Zehetmair mehr als Schule. Lebensbegleitende Bildungsangebote muss es für alle Generationen geben.
Sorge bereitet ihm zu dem die mangelnde Pflege der deutschen Sprache. Nach einer aktuellen Studie gibt es in Deutschland viele sekundäre Analphabeten, das heißt, diese haben gelernt zu lesen und zu schreiben, üben aber diese Kulturtechniken nicht aus. Dieses ist beängstigend.
Wichtig ist es, die deutsche Sprache zu fördern, einschließlich von unterschiedlichen regionalen Dialekten. Ebenfalls setzte sich Prof. Zehetmair als Humanist für die Sicherstellung des Lateinunterrichtes an den Schulen ein. Latein erschließe die deutsche Grammatik.
Abschließend kam Prof. Zehetmair auf die Kulturpolitik zu sprechen. Er beobachtet seit Jahren, dass sich viele kleinere Kultureinrichtungen, wie Theater und Museen, in einer Existenzkrise befinden. Sicherlich steht nicht nur das bundesdeutsche Sozialsystem vor massiven finanziellen Herausforderungen, sondern ebenso die bundesdeutsche Kulturlandschaft. Das größte Gut in Deutschland ist bisher das Kultur in allen Regionen vorhanden ist und angeboten wird. Kultur ist, so Zehetmair, nicht allein Hochkultur. Kultur lebt vor allem von der Breite des Angebotes. Daher tritt Zehetmair gegen eine Verarmung der Kultur ein. Zehetmair: Wir brauchen begeisterte Aktivisten, beispielsweise Mäzene, die Kunstsammlungen und Konzertsäle fördern. Kultur bewegt die Menschen und ist daher von enormer Wichtigkeit für unsere Gesellschaft.
In einer sich anschließenden Diskussion spielte das Thema Reform der deutschen Rechtschreibung eine zentrale Rolle. Zehetmair hatte sich seit Ende 2004 nur für eine behutsame Rechtschreibungsreform eingesetzt. Das Eindeutschen von Wörtern aus lebendigen Sprachen oder aus Altsprachen wie bei medizinischen Fachbegriffen lehnt Zehetmair ab. Ihm ist wichtig, die Lebendigkeit und Vielseitigkeit der deutschen Sprache zu erhalten.
Ebenfalls ist Prof. Zehetmair seit Juli 2003 engagierter Sachverständiger in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages Kultur in Deutschland.
Mehr über Hans Zehetmair und die Hanns-Seidel-Stiftung e.V. unter www.hss.de.
Den gesamten Vortrag von Herrn Zehetmaier finden Sie hier (Es gilt das gesprochene Wort).

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