In einem seiner letzten Lieder hat der vor 44 Jahren verstorbene Bob Marley seine Landsleute zur „Redemption“, also zur Suche nach „Erlösung“ aufgefordert. Er verstand darunter die Überwindung des Traumas der Sklaverei für die aus Afrika stammende Bevölkerung der Insel. Nach der Unabhängigkeit 1962 blieb Jamaika als Mitglied des Commonwealth dem englischen Erbe bis heute eng verbunden. Heute wird über die Republik als Staatsform und die Art der Mitgliedschaft Jamaikas im Commonwealth viel diskutiert. Das koloniale Unrecht ist dabei nicht vergessen und der Ruf nach Entschädigungszahlungen wird lauter.
Das Bild der Insel hat sich in der Zeit nach der Unabhängigkeit besonders in den urbanen Zentren grundlegend gewandelt. Statt von den einstigen Zuckerrohr-Plantagen wird die Realität des Landes jetzt von den Städten mit ihrer Infrastruktur, dem Bauxit- Bergbau und dem Tourismus geprägt. Diese Entwicklung hat das Bergland der Insel, die Blue Mountains, bisher kaum berührt. Aber die sozialen Probleme, Gegenstand auch vieler Lieder Bob Marleys, sind allgegenwärtig und deshalb streben viele Jamaikanerinnen und Jamaikaner immer noch die Auswanderung nach Europa und Nordamerika an. Dort ist das Thema Migration in letzter Zeit zu einem zentralen Thema der Politik geworden und führt zu heftigen Auseinandersetzungen.
Vor diesem Hintergrund möchte die Deutsch-Jamaikanische Gesellschaft (DJG) auf ihrer diesjährigen Tagung im AZK einen Blick auf ein Land im Spannungsfeld zwischen Bewahrung seiner Umwelt und der aktuellen entwicklungspolitischen Debatten werfen.
Herzlich willkommen in Königswinter!