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Das deutsch-niederländische Verhältnis nach 1945

Seminar in Kooperation mit dem Kommando Cyber Raum der Bundeswehr , 25.-27. Juni in Münster

Ein Seminar in Münster zu den deutsch-niederländischen Beziehungen zu veranstalten, macht viel Sinn, denn traditionell ist Münster eine von den Niederländern geschätzte Stadt, Sitz des deutsch-niederländischen Korps und Zentrum für niederländischer Studien. Professor Dr. Frieso Wielenga gilt als einer der Experten zu den deutsch-niederländischen Beziehungen. Im Haus der Niederlande leitet er als Direktor ein breit angelegtes Studienprogramm zu niederländischer Geschichte, Kultur und Sprache, das Zentrum für Niederlande-Studien (ZNS).

Die Soldatinnen und Soldaten aus Bonn hatten mit die Gelegenheit mit Professor Dr. Frieso Wielenga im Rahmen eines Seminartages am 25. Juni 29 zu diskutieren. In einem Referat stellte Wielenga das Verhältnis von Deutschen zu den Niederländern dar. Noch in den 1950er Jahren glich das Verhältnis zwischen den beiden Völkern „einem Minenfeld“, zumal die Narben des 2. Weltkriegs noch nicht vernarbt waren. In den 1960er entspannte sich das Verhältnis, da Deutschland in der Europäischen Gemeinschaft und in der NATO sich als ein solider Partner herausstellte. Insbesondere in den Grenzregionen hatte sich eine spürbare Annährung ergeben. Dennoch galt die Hochzeit von Beatrice und Claus von Amsberg im Jahr 1966 als Sensation. Der Lebenslauf von Claus von Amsberg wurde von der niederländischen Öffentlichkeit durchleuchtet und als eine harmlose Kriegsbiografie bewertet.

Erst Ende der 1960er Jahre kam es zu einem Durchbruch in den Beziehungen u.a. durch Kontakte auf höchster politischer Ebene. Der Besuch des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann im Jahr 1969 mit einer Kranzniederlegung in Amsterdam führte zu Fortschritten im Verhältnis beider Nationen. Allerdings, so Wielenga, kam es immer zu Wellenbewegungen in den Niederlanden je nach Vorfällen in der Bundesrepublik. Der sogenannte Radikalenerlass 1972 wurde in den Niederlanden kritisch gesehen. Auf viel Zustimmung stieß hingegen die Entspannungspolitik Willy Brandts in den Niederlanden.

Die deutsche Wiedervereinigung stieß in den Niederlanden nicht überall auf eine breite Zustimmung, da ein deutsches Übergewicht in der EU befürchtet wurde. Der damalige Ministerpräsident Ruud Lubbers hatte Bedenken geäußert. Es gelang jedoch der Bundesregierung unter Helmut Kohl, diese Befürchtungen zu zerstreuen. Mit großer Zustimmung wurde die Rede des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck am Befreiungstag am 05. Mai 2012 in den Niederlanden aufgenommen. Diese Rede zählte zu den vielen Mosaiksteinen des deutsch-niederländischen Verhältnisses, welches heute im Jahr 2019 als vertrauensvoll und höchst konstruktiv einzustufen ist. Neben den vielen politischen, wirtschaftlichen, militärischen, kulturellen und sportlichen Kontakten ist Deutschland längst ein beliebtes Reiseland für Niederländer geworden. Wiederum studieren viele junge Deutsche an niederländischen Hochschulen wie in Rotterdam oder Maastricht.

Karsten Matthis
Geschäftsführer der Bildungsforum gGmbH

Literatur: Frieso Wielenga, Länderbericht Niederlande, bpb (Hrsg.), Bonn 2015

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