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Professor Dr. Ursula Lehr im AZK.

|   Veranstaltungungsbericht

In der Reihe „Politik am Mittag“ referierte am 03. Mai 2011 die renommierte Alternsforscherin und ehemalige Bundesministerin Prof. Dr. Lehr über „Älter werden – aktiv bleiben.

Alternsforscherin Ursula Lehr fordert: Seniorengerechte Städte und Kommunen

In der Reihe „Politik am Mittag“ referierte am 03. Mai 2011 die renommierte Alternsforscherin und ehemalige Bundesministerin Prof. Dr. Lehr über „Älter werden – aktiv bleiben. Eine Herausforderung in einer Gesellschaft des langen Lebens“. Sie zeigte zunächst auf, wie sich die Demographie in Deutschland wandelt. Die Zahl der über 100-jährigen Menschen stieg im Jahr 2009 auf über 5.660 an, erfreulicherweise die Zahl der 105-jährigen auf 447 Menschen. Zurzeit liegt die Lebenserwartung bei Frauen durchschnittlich bei 82,4 bei Männern hingegen bei 77,2 Jahren. Nicht nur in Deutschland vollzieht sich eine vergleichbare Entwicklung, sondern auch bspw. in Spanien mit einem Anteil von 44,1 % Menschen an der Gesamtbevölkerung über dem 60. Lebensjahr. Seriöse Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2050  2,1 Mio. Bürgerinnen und Bürger über 90 Jahr alt sind. 

„Wir leben in einer Zeit des demographischen Wandels“, so die Alternsforscherin und darauf müssen sich Politik, Staat und Gesellschaft einstellen. Der Bevölkerungsrückgang führt zur Rückentwicklung ganzer Regionen nicht nur in den neuen Ländern, sondern auch in einer Stadt wie Gelsenkirchen mit einem Bevölkerungsrückgang mit –8,6 %. Ursula Lehr sprach von einer „Unterjüngung“ in immer mehr Teilen der Bundesrepublik. Dieser Bevölkerungsrückgang stelle die Kommunen vor großen Herausforderungen in der medizinischen Ver-sorgung, bei Energie und dem öffentlichen Nahverkehr. Insbesondere sollten die Kommunen auf ihre jüngsten und älteren Bewohner achten. In diesem Zusammenhang sprach sich Professorin Lehr für mehr Angebote für Kinder unter drei Jahren aus. „Kinder brauchen Kinder“, deshalb braucht jedes Kind einen Kindergartenplatz. Sie sei in ihrer Zeit als Familienministerin aus den Reihen von CDU/CSU kritisiert worden, Forderungen nach einer U-3-Betreuung zu erheben, mittlerweile sei dies Grundüberzeugung aller Parteien.  

Die Referentin ging auch auf den bundesdeutschen Arbeitsmarkt ein. Zwei Generationen haben das Berufsleben verlassen müssen, damit sind viel Fachwissen und Berufserfahrung verloren gegangen. In einer Zeit in welcher immer mehr brain-work statt muscle-work notwendig ist, sei dies nicht einsehbar. Sie plädierte für eine stärkere Flexibilität der Altersgrenzen. Diese Forderung sei alt, bereits der Arbeitsminister der ersten großen Koalition, Hans Katzer, und die sog. Herzogkommission hätten sich dafür verwendet. 

Die über 90 Teilnehmer führten mit der Wissenschaftlerin eine angeregte Diskussion u. a. über ehrenamtliches Engagement der älteren Generation und ihr Einfluss auf die Politik. Abschließend wies Frau Lehr darauf hin, dass sich Senioren einbringen möchten. Über 70 % der Älteren nutzen das Internet, d. h. dass sie von nicht von Informationen abgeschnitten sind. Was früher Klavierstunden waren, sind heute Kurse am PC. 

Mehr über Prof. Ursula Lehr:

Literaturhinweis: Ursula Lehr: Psychologie des Alterns, 11. Auflage, Wiebelsheim 2006

Internet: www.bagso.desiehe unter Vorstand

Prof. Dr. Ursula Lehr ist seit 2009 Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen.

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