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Martin Niemöller, ein streitbarer Theologe der Nachkriegszeit / Vortrag von Dr. Guido Grünewald am 08. April im AZK

Martin Niemöller (1892-1984) hat ein Stück deutscher und europäischer Kirchengeschichte geschrieben. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Pastor Martin Niemöller bekannt, als er sich in der noch jungen Bundesrepublik gegen die Wiederbewaffnung und Atomrüstung wendete. Dr. Guido Grünewald, Historiker in Bonn, hat sich akribisch mit der Vita des streitbaren evangelischen Theologen befasst und im Rahmen des Abendforums der Stiftung Christlich-Soziale Politik über Leben und Werk Martin Niemöllers am 08. April 2019 referiert.

Dr. Grünewald zeigte eingangs seine Prägung durchs Elternhaus in Lippstadt auf. In einem nationalkonservativen Pfarrhaus aufgewachsen, entschloss sich der junge Niemöller Kriegsdienst in der kaiserlichen Marine zu leisten. Als U-Boot Kommandant erlebte er das Ende des 1. Weltkriegs und der Kaiserzeit. In einer Biografie unter dem Titel „Vom U-Boot zur Kanzel“ (erscheinen 1934) schilderte Niemöller seine Erlebnisse als junger Mensch im 1. Weltkrieg und Theologiestudium. Der Weimarer Republik begegnete er mit Skepsis und Zurückhaltung. Wie viele Deutsche seiner Zeit trauerte er dem Kaiserreich nach. Von der nationalsozialistischen Bewegung erhoffte Niemöller sich eine nationale Wiedergeburt und hatte illusionäre Hoffnungen für Kirche und Staat. Schon rasch zeigten sich für Martin Niemöller, die großen Gefahren die mit der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP verbunden waren. Offenkundig wurde, dass im NS-Staat die Kirchen gleichgeschaltet werden sollten und wie die Gewerkschaften kein Eigenleben haben durften. Jüdische Mitbürger wurden aus der „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen, diskriminiert und schließlich in Konzentrationslager gesperrt. Das Leben von Menschen mit Behinderungen als unwert erklärt. Offen trat der totalitäre Anspruch der neuen Machthaber zutage. Niemöller gehörte zu den führenden Vertretern der Bekennenden Kirche und gründete den Pfarrernotbund mit. Der Theologe Niemöller protestierte das Unrecht im NS-Staat und wurde in „Schutzhaft“ am 01. Juli 1937 genommen. Er war in Sachsenhausen und Dachau inhaftiert. Nach dem 2. Weltkrieg trat Niemöller vehement für ein Schuldbekenntnis ein und war einer der Unterzeichner des Stuttgarter Schuldbekenntnis. Er engagierte sich für die Ökumene und die Einheit der Kirchen. Die Versöhnung mit den Völkern Osteuropas und mit dem Judentum war Niemöller ein Herzensanliegen. Couragiert unterstützte er die Friedenbewegung und plädierte für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. In der EKD prägte er das Profil des Protestantismus nach 1945 so u.a. als Kirchenpräsident der Landeskirche Hessen-Nassau.

In einer lebendigen Diskussion legte Dr. Grünewald noch einmal die Widersprüchlichkeit und Faszination Niemöllers dar. Deutlich wurde für die Zuhörer, dass die Texte Martin Niemöllers auch heute noch lesenswert und bedenkenswert sind.

Karsten Matthis
Geschäftsführer der Stiftung CSP

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